Kulturnews 08/2008

Lutz Wunder:

kreativ, ideenreich und engagiert

Foto: André Osbahr

Ist die Arbeit in einer ABM, einem 1-Euro-Job oder - wie das Konstrukt auch immer heißen mag - mehr als nur ein befristetes Mitwirken an der Vereinsarbeit? Kann es denn mehr sein? Sicher ja, denn in einem Verein kann sich jeder auch weiter in seinem betreffenden Arbeitsfeld engagieren. Dass eine daraus entstehende langfristige Zusammenarbeit in unterschiedlichen Formen keine Utopie ist, dafür gibt es im Kulturring immer wieder Beispiele. Ein ganz typisches ist Carola Röger. Gerade hat der Kulturring sie nach 11 langen Jahren gemeinsamer Arbeit im Projektbereich Ost Anfang Juli in die Rente verabschiedet.
Es begann alles am 01. August 1997. Carola Röger wurde Managerin im Projekt „Seniorenkultur 50plus“. Als ausgewiesene Theaterfrau mit langjähriger Erfahrung in der sogenannten „Breitenkulturarbeit“ und Kleinkunst war sie mit ihren fachlichen Erfahrungen für den Verein wie ein Fels in der Brandung. Und sie schaute sich auch nur kurz in der Seniorenkulturlandschaft des damaligen Bezirks Hellersdorf um, krempelte die Ärmel hoch und entwickelte die ersten Angebote für die sogenannte „reifere Jugend“. Sie brachte die Veranstaltungsreihen „Gemeinsames Singen“, die Interessengemeinschaft Museen und Ausstellungen mit auf den Weg, führte das „Seniorenfrühstück“ in Nachbarschaftszentren und Seniorenfreizeitstätten ein. Dieser Ideenreichtum zeichnete sie auch in den Folgejahren aus. Im Kulturforum Hellersdorf versuchte der Kulturring, den Seniorentanz in einen Tanztreff auch in den späten Abend hinein umzuwandeln – das funktionierte leider nicht. Auch die Idee eines Spiele-Cafés erwies sich als nicht tragfähig. Ganz anders die Talkshow „Die Litfasssäule“ mit dem Entertainer Siggi Trzoß. Carola übernahm 2002 das Management. Erst bei der 150. Ausgabe 2006 auf der Parkbühne Biesdorf war die Idee etwas „renovierungsbedürftig“, und es fand sich gleich ein Anschlusskonzept: „3 nach Drei“. Viele realisierte Veranstaltungsideen ließen sich noch nennen: „Hoppla-HOFF“, „Unterhaltung um drei“, „Der Filmklassiker mit Peter Bosse“ oder „Tanze mit mir in den Morgen“. Was ist denn nun das Geheimrezept für so viele Ideen, Temperament und Engagement? Äußerlichkeiten ließen sich schnell nennen: die vielen Zigaretten, die stets stille Neugierde, was um sie herum passiert, der gute Kontakt zu Kollegen und Mitarbeitern. Aber da spielen sicherlich auch ihre inneren Charakterzüge und Werte eine gewichtige Rolle. Ich habe immer wieder im Verlaufe der Jahre über ihre Zielstrebigkeit gestaunt: keine Idee wurde schnell und leichtfertig abgetan, sie kennt immer „ihre“ Gäste. Sie verlässt sich nicht gerne auf Andere und macht viele Kleinarbeit lieber (zu oft) allein, dann aber richtig. So hat sie sich in ihrem Zuhause, in dem man sich auch eine sehr arbeitsmäßige Atmosphäre vorstellen kann, scheinbar ein zweites Büro eingerichtet. Wie sollte sie sonst alle die Arbeiten erledigen, die sie sich aufbürdet? Ja, manchmal wünschte man sich von ihr ein Stück mehr Zutrauen in die Anderen. Nun werden die Aufgaben etwas kleiner, den Kulturring als Familie braucht sie nicht, dazu ist sie zu umtriebig, aber etwas muss noch weiter gehen. Wer also Carola Röger in ihrem Metier sehen will, muss zu „3 nach Drei“ ins Kulturforum oder zum Singen in das Seniorendomizil Cursana an das Landsberger Tor kommen. Und es lohnt sich bestimmt.


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