Kulturnews 04/2012

Marco Jessat:

Einen alten Baum verpflanzt man nicht…

Foto: Marco Jessat

ist nur einer von insgesamt 12 Titeln der digitalen Fotogeschichten, die beim Kulturring mit Unterstützung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg im Rahmen des Medienprojektes „Mein Kiez; Mein Leben; Meine Geschichte“ in verschiedenen Workshops entstanden sind. Das Pilotprojekt, das Medienkompetenz für Menschen im höheren Lebensalter leisten möchte, startete im September 2011 mit der Suche nach interessierten Teilnehmer/Innen, die über ihren Kiez und Ausschnitte ihrer Lebensbiografie sprechen – und diese dann als digitale Fotogeschichte produzieren möchten.
Ich bin eher ein Medienmuffel…
Am Anfang jedes Workshops stand die Frage, was möchte ich erzählen? Inwieweit möchte ich mich in der Öffentlichkeit darstellen und wie viele Informationen aus meiner Lebensbiografie gebe ich preis? So hat sich im Zeitraum des Projektes deutlich gezeigt, dass Interesse an der Mediennutzung besteht, jedoch ein empfindliches Verhältnis zur Veröffentlichung der eigenen Person via Foto und der Namensnennung im Internet vorhanden ist. Durch die Flexibilität eines Pilotprojektes konnten jedoch personenbezogene Konzepte kurzfristig umgesetzt werden, die jedem / jeder Teilnehmer/in die Möglichkeit gab, je nach Veröffentlichungswunsch eine persönliche Fotogeschichte zu erstellen. All jene, die eher an der theoretischen Vermittlung von Mediennutzung und Medienkompetenz interessiert waren, konnten sich mit Unterstützung vom Projektleiter dabei weiterentwickeln.

Es ist sehr spannend, sich mit der eigenen Lebensbiografie zu beschäftigen…
Nach spannenden Ausflügen in den jeweiligen Lebensbiografien wurden die ersten Ideen zur Umsetzung der digitalen Fotogeschichten gesammelt und über eventuelles Archivmaterial nachgedacht. Dabei gab es zum Beispiel schöne alte Fotos aus der Kindheit, selbst gemalte Bilder aus Altglienicke und Familienbilder aus vergangener Zeit zu bestaunen. Aber auch archivierte Presseartikel aus diversen lokalen Zeitungen kamen zum Vorschein, die passend zu den Geschichten mit eingebaut wurden.
Teilnehmer/Innen, die sich selbst an einer digitalen Fotokamera ausprobieren wollten, konnten nach einer kurzen technischen Einführung sofort loslegen. Dabei entstanden tolle Bilder aus Kiezen in Treptow-Köpenick. In weiteren Workshop-Terminen wurde je nach Bedürfnis und eigener Vorstellung mit Sprache oder Texteinblendungen gearbeitet. Wer wollte, konnte seinen vorgearbeiteten Text auf einem Audio-rekorder sprechen oder nur mit Texteinblendungen arbeiten. Die Reaktion der Teilnehmer/Innen auf den selbst gesprochenen Text und dessen Wirkung war immer überraschend und wurde anschließend besprochen und bewertet. Im letzten Stadium des Projektes wurden die digitalen Fotogeschichten mittels des kostenlosen „Windows Movie Maker“-Schnittprogramms verarbeitet und zusammengeschnitten.
Der Workshop hat mir geholfen, in Zukunft mit diesen Medium weiterzuarbeiten ….
Am letzten Workshop-Tag wurde mit den Teilnehmern/innen das Endergebnis angeschaut und reflektiert. Weitere Fragen und praktische Tipps im Umgang mit modernen Medien wurden erläutert und bei Bedarf selbst vor Ort umgesetzt. Größtenteils hat dieses Pilotprojekt dazu beigetragen, Menschen im höheren Lebensalter für die neuen Medien zu begeistern und ihnen einen kleinen Einblick in die Nutzung und Selbstreflexion neuer Medien zu verschaffen. Das positive Feedback verdeutlicht, dass viel Platz und viele Ansätze für den Ausbau und die Weiterentwicklung vorhanden sind und das Projekt auch in anderen Zusammenhängen fortgeführt werden kann. Wir sind gespannt, was sich da in naher und weiter Zukunft entwickeln wird.
Die Fotogeschichten können alle auf dem Projektblog im Internet betrachtet werden:
http://kiezreporter.wordpress.com/fotogeschichten-2/


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