Film im Club: Zum 125. Geburtstag von Johannes R. Becher.

Rede von Johannes R. Becher, 1951, Deutsche Fotothek; Foto: Roger Rössing, CC BY-SA 3.0 DE

17.05., 19.00 Uhr

Kulturbund Treptow

Johannes R. Becher (* 22.5.1891 in München) war sein Leben lang hin und her gerissen zwischen Poetik und Politik. Das Studium von Medizin und Philosophie brach er zu Gunsten der Schriftstellerei ab. 1910 versuchte er, zusammen mit seiner Freundin Selbstmord zu begehen, den nur er überlebte. 1920 trat er aus Enttäuschung aus der KPD aus, näherte sich der Religion an. Er war ein dichtender Kulturfunktionär, der das Recht der Andersdenkenden propagierte. Nach dem II. Weltkrieg kehrte Becher aus dem Exil in der UdSSR in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands zurück. Er beteiligte sich an der Gründung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Der Poet im Amt als DDR-Kulturminister enttäuschte jedoch viele Hoffnungen. Vorwürfe von Opportunismus und Feigheit überschatteten seine Bilanz. Während der Tauwetter-Periode, mit der 1956 die Entstalinisierung begann, trat er für politische Reformen ein, wurde daraufhin 1957 politisch kaltgestellt. Im künstlerischen Sinne war das intellektuelle Europa westlich der Elbe beeindruckt von diesem Mann, einem expressionistischen Schriftsteller. Regisseur Konrad Herrmann stellt in seinem 70-minütigen Film Bechers Zerrissenheit und nicht einzulösenden Ansprüche an sich selbst und die Gesellschaft in den Vordergrund. Becher führte ein surrealistisches Leben, politisch engagiert im Sinne des Sozialismus, privat morphinabhängig und suizidgefährdet. „Ich habe alles ausprobiert, Drogen, Frauen, Männer, Bohème und die Kunst“.

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