Dienstreise

Buchcover; Foto: Verlag Neues Leben

26.04., 19.00 Uhr

Berliner Tschechow-Theater

Auszug aus dem Buch: "57-jährig wurde ich erstmals angehalten, über diese ›Dienstreise‹ in der Sowjetunion zu schreiben. Damals konnte ich es nicht. Mir waren zu jenem Zeitpunkt die ungeheuerlichen Einzelheiten ihres Schicksals ebenso unbekannt wie die Gründe, warum die Eltern darüber eigentlich nur zurückhaltend sprachen und später auch nichts aufschrieben. Bis zum Tod meiner Eltern erschlossen sich mir keine zwingenden Gründe, mich mit der Geschichte meiner Familie intensiv zu beschäftigen und darüber auch noch schreiben zu müssen. Nichts Klärendes oder Neues zu unserer Geschichte hätte ich damals beitragen können, und auf den überschäumenden Wellen des ›Antistalinismus‹ zu reiten, war ich nicht bereit und bin es auch jetzt nicht ... Erst nach dem Tod meiner Eltern begann ich im Jahre 2000 zunächst einige Briefe zu lesen. Danach wurden sie chronologisch sortiert, leserlich abgeschrieben bzw. aus dem Russischen übersetzt. Die Schriftzüge meines Vaters fesselten mich, machten mich traurig und wütend. Sie weckten meine Neugierde, weiteren Spuren seiner ›Dienstreise‹ … in der Sowjetunion nachzugehen ..."

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