Kulturnews 05/2018

B. S.:

ZWEIMAL PFÜLLER – Grafik und Malerei in der Kulturküche Bohnsdorf

Felder, Abb.: Bettina Pfüller

Im vergangenen Jahr wurde in der Kulturküche Bohnsdorf ein Teil aus dem umfangreichen gebrauchsgrafischen Werk des Ehepaars Anneliese und Hans-Eberhard Ernst präsentiert. Im Mai 2018 folgt nun das Künstlerehepaar Bettina und Volker Pfüller. Volker Pfüller, 1938 in Leipzig geboren, interessierte sich schon im jungen Alter für das Malen und Zeichnen. So wollte er es wissen und studierte „ohne Umwege“ von 1958-60 an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Berlin-Schöneweide sowie anschließend Grafik bis 1965 (Diplom) an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin bei Werner Klemke und Arno Mohr. Nach seinem Studium gestaltete er dann Plakate, illustrierte und begann als Bühnenbildner zu arbeiten. Besonders die Plakate und Bühnenbilder für das Deutsche Theater oder auch für die Volksbühne Berlin machten ihn dann in der DDR und auch im Ausland bekannt, denn diese Theater waren auf vielen Gastspielen unterwegs „in der Welt“. Obgleich er in der DDR lebte, durfte er schon in den 1980er Jahren für die Münchner Kammerspiele arbeiten. Nach der Wende war er für Theater auf der ganzen Welt tätig, z.B. für die New Israeli Opera Tel Aviv (Israel) und das Maggio Musicale Fiorentino (Italien). Hinzu kamen Gastprofessuren: 1990 für Illustration an der Kunsthochschule Kassel und 1991 für Bühnenbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sein reiches Wissen und seine vielfältigen Kenntnisse gab er auch als Lehrer den Studenten/Innen in seiner Geburtsstadt Leipzig weiter und unterrichtete dort von 1997-2005 Illustration an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst. Einige seiner Schüler sind heute selbst Professoren an deutschen Hochschulen, z.B. lehrt Henning Wagenbreth in Berlin und Anke Feuchtenberger ist Professorin in Hamburg.
Volker Pfüller gehört zu den wichtigsten ostdeutschen Illustratoren und schuf wunderschöne Bücher für Kinder und Erwachsene. Für einige Bilderbücher schrieb er die Texte selbst, wie für „Esel Eisbär Mensch, Milchreis und Hut“. Man merkt, dass das Verse-Schmieden auf lustige und hintersinnige Art ihm großes Vergnügen bereitet: z.B. „Mäuserich Atze aß immer Quark, da wurde er stark. Nun grüßt ihn sogar die Katze“ (aus „Ziegenbock im Bratenrock“). Pfüllers skizzenhaft-expressive und skurrile Zeichnungen, verzerrte Perspektiven, verschrobene Körper und Haltungen dienen der Charakterisierung seiner Tier- und Menschenfiguren. Tiere werden „vermenschlicht“, oft senden seine Porträts Magisches aus, was sowohl die Zeichnung, als auch die Farbgebung bewirken. Er spielt gern mit Gegensätzen, und Fröhlich-Farbiges kann oft ganz schön gruselig sein. Bei so viel Lebensstudium rücken Mensch und Tier näher zusammen, und deren Charakteristiken „vermischen sich“ immer mehr – werden zur liebenswerten oder bissigen Fabel oder Satire.

Abb.: Volker Pfüller

Volker Pfüller nutzt verschiedenste Techniken für sine Darstellungen und Drucke. Aus der Vielzahl sind drei Holzschnittbücher zu den Themen „Köpfe“, „Stilleben“ und „Tierlein“ hervorzuheben, die im Lubok Verlag (Kunst- und Künstlerbücher) erschienen sind. Des Künstlers Plakate, Bücher und Bühnenbilder wurden vielfach „als Schönste“ ausgezeichnet und erhielten Preise und Medaillen. Natürlich hat er auch sein Markenzeichen – ein echtes Pfüller-Plakat erkennt man an der Signatur V. P.! Die Ausstellung in der Kulturküche Bohnsdorf wird erstmals Volker Pfüllers Sammlung von Künstler-Neujahrswünschen aus mehreren Jahrzehnten in verschiedenen Postkarten-Formaten vorgestellen, die eigentlich zum Genre der Mail-Art gehören.
Im Gegensatz zu ihrem Mann steht Bettina Pfüller voll im Berufsleben als Medizinerin an der Berliner Charité. Sie malt Landschaften und Still-Leben aus Leidenschaft. Dass sie nach Harmonie strebt und auch dem Schalk nicht abgeneigt ist, sollte sich auch in ihren Bildern widerspiegeln, erkennbar und spürbar sein. „Ihr Malen kann man sich als eine stille Tätigkeit denken, eine Zwiesprache mit der Landschaft, der Natur, der Stimmung, bei der sich die sinnliche Wahrnehmung in einer Vorstellung im Kopf verdichtet, die allmählich auf der Leinwand Gestalt gewinnt“, meint Professor M. Thomas Müller. Und der bekannte Maler und Zeichner Manfred Bofinger charakterisierte ihre Kunst: „Bettinas Bilder sind manchmal… mit einem gewissen Raffinement gemalt. Das ist das Weibliche in ihnen… es gibt ihnen einen besonderen spielerischen Reiz und ein verschmitztes Augenzwinkern. Das wirkt nie naiv, sondern selbstbewusst und heiter charakterisierend. ... Sie selbst ist geradezu ein Muster an harmonischer und beruhigender Ausstrahlung. Das kommt auch von all ihren Bildern auf uns zu, Heiterkeit, Ruhe und Kraft.“ Und der exzellente Formulierer und Kollege Hans-Eberhard Ernst, der zur Ausstellungseröffnung die Laudatio halten wird, bezeichnet die Bilder Bettina Pfüllers als „Poetischen Realismus“.
So wie Bettina Pfüller leidenschaftlich malt, spielt ihr Ehemann Volker leidenschaftlich und sehr professionell Schach!
Ausstellung: 22.05. bis 09.08.2018 / Mo-Do 12 bis 18 Uhr und zu Veranstaltungen
Vernissage: 17.05., 19.00 Uhr, Kulturküche Bohnsdorf, Dahmestr. 33, 12526 Berlin


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