Kulturnews 04/2008

Armin Hottmann:

Video und Kommunikation

Europäische Lehrerfortbildung
Foto: Teilnehmer

Als ich vor fast genau 17 Jahren in einer Grundschule in London mich an das erste Videoprojekt wagte, konnte ich nicht ahnen, wie sehr sich die Mediensituation in den folgenden Jahren verändern würde. Was damals exotisch und nur mit großem technischen Aufwand machbar war, ist heute ein integrierter Teil der digitalen Medienwelt geworden. Vor allem für junge Menschen ist es normal, mit Videokamera oder der integrierten Videokamera im Handy miteinander zu kommunizieren. Auch im Bildungsbereich schlägt sich langsam diese Entwicklung nieder, und man entdeckt immer mehr Pädagogen, die das Werkzeug Videoproduktion in ihren Schulalltag integrieren. Trotzdem gibt es gerade in diesem Bereich weiterhin einen großen Nachholbedarf.
Die Veränderung der Mediensituation schlägt sich demgemäß auf unsere Kursangebote nieder. Zum einen gibt es immer mehr Teilnehmer, die schon erste Videoproduktionen selbst in der Schule durchgeführt haben oder auf der anderen Seite Unterstützung wünschen, wie sie mit den Medienfertigkeiten der Schüler vor allem im Sekundarbereich umgehen können. Der letzte Kurs in der ersten Märzwoche versuchte, genau in dieser Bandbreite Unterstützung zu bieten, Anfänger und Fortgeschrittene in der Videoproduktion weiter zu bringen, die inhaltliche Vision der Medienpädagogik zu stärken und Ideen zu liefern, wie man mit anderen Kollegen aus Europa gemeinsam Medienprojekte organisieren kann.
Wichtig ist dabei immer wieder, dass die Teilnehmer genug Freiraum im Programm bekommen, um voneinander zu lernen – nicht nur in Bezug auf die Medienpraxis, sondern überhaupt innerhalb der Vielfalt der kulturellen und bildungsbezogenen Situation. Wenn neunzehn hoch motivierte Menschen aus acht Ländern zusammenkommen, dann erlebt man hier ein Stück Europa in einer lebendigen und spannenden Art, wie man das sonst nicht in den Medienberichten über Europa vermittelt bekommt.
Niki Christou und Carmen Radulescu sind zwei der Teilnehmer mit Schul-Medien-Erfahrung. Niki kommt aus Zypern und arbeitet schon seit vielen Jahren mit viel Enthusiasmus mit Grundschulkindern im Sonderpädagogikbereich. Dabei benutzt sie vor allem Grafiken, die sie mit Hilfe von Videoschnittsoftware einfach in Bewegung setzt und mit Tönen versieht. Mit Hilfe der Grafiken motiviert sie die Kinder, sich zu einfachen Themen zu artikulieren. Carmen aus Rumänien ist eine der Pioniere, die eigenes Schulvideomaterial selbstständig im Internet hochlädt und anderen Kollegen als Beispielmaterial zur Verfügung stellt. Sie kommt aus Targoviste, das 70 km von Bukarest entfernt liegt, und arbeitet in der Oberschule mit dem Schwerpunkt Humanwissenschaften. Hier versucht sie, die Brücke zu den Medien und der Kommunikationstheorie zu schlagen. Dabei interessiert sie vor allem der Bereich der Videoanimation.
Niki und Carmen stellten ihre Arbeit innerhalb unseres europäischen Forums am zweiten Kurstag auch deshalb vor, um dem restlichen Team weitere Ideen für die mögliche Zusammenarbeit zu geben. Ansonsten nahmen die Teilnehmer wieder wie gewohnt selbst das Ruder in die Hand und entdeckten gemeinsam in kleinen Gruppen die verschiedenen Facetten der produktiven Medienpädagogik. Höhepunkt der Woche waren ein gemeinsamer Studiotag mit Mischka Franke im Offenen Kanal Berlin zu dem Thema „Wall Art“ (Mauerkunst), Videoaufnahmen zum Thema „Sprachen in Europa“ im multilingualen Norden Neuköllns und ein Networking Workshop mit Roberto Muffoletto.
Bei der Abschlussauswertung war der allgemeine Grundtenor sehr positiv, und jeder konnte für sich etwas mit nach Hause nehmen – neue Kontakte, Ideen für zukünftige Projekte, Erkenntnisse über die Mediensituation in Europa oder der Wunsch, mit mehr Zeit nach Berlin zurückzukommen, um sich den vielen kulturellen Angeboten widmen zu können.
Zum Schluss gebührt der herzliche Dank dem hilfsbereiten Team von Reno Döring in der Ernststraße, das die Gäste nicht nur vorzüglich mit deutschen und internationalen Spezialitäten versorgte, sondern auch die Räume zweckentsprechend und zugleich gemütlich einrichteten, die Medientechnik betreuten und halfen, den BVG-Streik zu umgehen. Vielen Dank!


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