Kulturnews 05/2008

André Schröder:

Inspiration kommt aus Improvisation

Foto: André Osbahr

Viele der Stücke, die das theatro piccolo aufführt, setzen sich mit Alltagsszenen auseinander, den Schwächen des Einzelnen, dem konkreten Umfeld der Akteure.
Detlef Zelahs, der das 1994 gemeinsam mit Alfons Förster ins Leben gerufene Theater seit 1999 betreut, legt großen Wert darauf, dass der Grundton des Repertoires trotz aller auch unangenehmen Einflüsse, der Schwierigkeiten, mit denen seine Schützlinge tagtäglich konfrontiert werden, optimistisch bleibt. Das Programm mit viel Humor zu erarbeiten und aufzuführen, hat zweifellos Vorteile: Selbst eher unangenehme Wahrheiten oder Denkanstöße können so viel leichter von der Bühne ins Publikum übertragen werden - und auf der anderen Seite ist eine solche Beschäftigung für die jungen Darsteller ein ausgezeichnetes Mittel zum Stressabbau, völlig natürlich und ohne schädliche Nebenwirkungen. Und die Erfahrung des Theaterleiters ist es, dass die besten Stücke jene sind, bei denen sich der Besucher nachher überrascht vor Augen führt, worüber er sich eben so köstlich amüsiert hat, gerade wenn er tief im Inneren zugeben muss, dass ihm die vorgeführten Schwächen ganz und gar nicht fremd sind... das zeichnet erfolgreiches Theater eben aus.
Sicher gehört dies zu den Gründen, warum die Programme des kleinen Ensembles auf reges Interesse der Zuschauer stoßen. Mit Humor lässt sich Vieles weit besser meistern.
Manche Stücke haben ihre Wurzeln auch in literarischen Quellen und werden dann an die heutigen Gegebenheiten angepasst. Zumeist sammelt Detlef Zelahs jedoch die Ideen, die bei den wöchentlichen Treffen zum Ausdruck kommen, und formt daraus die Szenen, die er dann mit den jungen Künstlern umsetzt. Weitestgehend ist es Sprechtheater, situationsbedingt werden natürlich auch Requisiten mit eingesetzt, da kann dann auch mal ein musikalischer Hintergrund oder ein subtiler Einsatz der Beleuchtung das Programm unterstützen.
Die Akteure sind zum Teil schon längere Zeit dabei und mit dem Projekt gewachsen, was unbedingt ein Vorteil ist - bei manchen Rollen braucht der Leiter gar nicht lange überlegen, welchem seiner Darsteller er welche Rolle überträgt, denn freilich kann nicht jeder jeden Charakter überzeugend interpretieren. Ein gewisser Wechsel ist dabei normal – einige Mitstreiter ziehen in andere Bezirke oder ganz aus Berlin weg, andere bleiben ganz weg, wenn sie z.B. ein Studium aufnehmen; dafür kommen auch immer wieder ein paar neue Leute dazu. Momentan betreut Detlef Zelahs mehrere Jugendliche an den beiden Proben- und Hauptauftrittsorten in Hellersdorf und Hohenschönhausen, neue Mitglieder sind stets willkommen.
Geprobt wird wöchentlich einmal sowohl im Hohenschönhauser Nachbarschaftshaus am Berl als auch im Kulturforum Hellersdorf. Ein neues Programm ist in Vorbereitung und soll kurz vor den Ferien fertig sein, die Chancen, das theatro piccolo noch in diesem Quartal in Aktion zu erleben, stehen also recht gut.


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