Kulturnews 06/2008

Inge Thormeyer:

Von Elfen und Ikonen

Im Portrait: Dr. Tatiana Burghenn-Arsénie
Foto: Michael Schweizer

Elfen gehören zu den wundersamsten Geschöpfen in der Welt der Mythen und Märchen. Ätherische Wesen, schwebend zwischen Traum und Tag. Naturgeister, den Menschen nicht gefügig und doch Projektion ihrer Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche.
Eine dieser grazilen, feenhaften Gestalten ist auf der neuen Visitenkarte von Tatiana Burghenn-Arsénie zu sehen. „Elfen sind mein Thema“, sagt Tatiana mit überzeugender Selbstverständlichkeit und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Ihre Freude über das Finden eines ihr gemäßen Sujets teilt sich so unmittelbar mit, dass sich sämtliche Fragen nach dem Warum erübrigen. Irgendwann wird es eine Ausstellung geben, die uns die Künstlerin Tatiana Burghenn-Arsénie neu entdecken lässt. Eine esoterische Träumerei wird es gewiss nicht werden, dafür steht allein schon ihr Lebenslauf:
Tatiana ist in einer Künstlerfamilie in Bukarest aufgewachsen. Obwohl begabt wie ihre Eltern, entscheidet sich die Tochter für ein Medizinstudium, promoviert in Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und arbeitet in der rumänischen Hauptstadt als Zahnärztin. Auch in Berlin, wo sie seit 1988 lebt, arbeitet sie in einer Dentalpraxis, lässt sich darüber hinaus in Naturheilkunde und traditioneller chinesischer Medizin ausbilden. Im Jahr 2000 wird Tatiana arbeitslos.
Man muss schon mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, wenn man sich in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, ein neues Zuhause schafft. Zeit für Träumereien bleibt da nicht, denn Sohn Patrick fordert ebenfalls sein Recht. Dass jeder freie Moment der Malerei gilt, versteht sich von selbst. Wer mit Pinsel, Stift und Leinwand aufwächst, sein Talent schon in jungen Jahren unter Beweis stellt, für den ist die Kunst Lebenselixier. Tatiana bewundert Egon Schiele und Gustav Klimt, probiert sich in unterschiedlichen Techniken und Stilrichtungen aus. Hinterglasmalerei hat sie sich bereits in Rumänien selber beigebracht, Ikonen malt sie seit ihrem 15 Lebensjahr. Beides traditionelle Bestandteile der rumänischen Volkskultur. Tatiana: „Es ist das Schönste, was ich von Zuhause mitgebracht habe.“
2003 bemüht sie sich erfolgreich um einen Studienaufenthalt für sakrale Hinterglas- und Byzantinische Malerei im Kloster der Orthodoxen Metropole für Deutschland in Nürnberg. Tatiana ist glücklich, Schwester Marina vertraut ihr, weiht sie ein in jahrhundertealte Geheimnisse der Ikonenmalerei. Schon nach wenigen Tagen darf sie vergolden, erlernt die Herstellung und Mischung der Naturfarben, übt sich in der 12schichtigen Grundierung der Eichen- oder Fichtenholztafeln. Lucia Dumitru heißt eine rumänische Freundin, die 2004 Tatianas erste Ikonenausstellung in der Erfurter Rathausgalerie vermitteln kann. Eine zweite Ausstellung ist im gleichen Jahr im Rumänischen Kulturinstitut Titu Maiorescu in Berlin zu sehen.
2005 bekommt Tatiana vom JobCenter die Zuweisung für das Projekt „pro regio Pankow“ des Kulturrings. „Hannelore Sigbjoernsen hat mich eingestellt, sie hat mir vertraut, an mich geglaubt, mich gefordert, obwohl ich doch so unsicher war. Und ich durfte zeichnen, malen – ausstellen!“
Tatiana zeigt ihre Arbeiten: Landschaften, Porträts, Stilleben und natürlich ihre Ikonen. Nicht nur in der Pankower Mühlenstraße, sondern berlinweit in vielen anderen Einrichtungen des Kulturrings und dessen Partnern. Sie arbeitet auch in der Fotogalerie am Helsingforser Platz. Als Galeristin und Kuratorin lernt sie Ausstellungen zu organisieren und vor allem den ausstellenden Fotografen ein verlässlicher Partner zu sein. Ein Full-Time-Job, der Organisationstalent, Fachkompetenz und Sensibilität im Umgang mit Ausstellenden und Besuchern erfordert. Beim Kunstkreuz ist Tatiana dabei, kümmert sich um Organisation und Aufbau und – stellt aus. Ihr erstes Tafelbild, die „Drei Tänzerinnen“, wurde inspiriert durch Gespräche mit der Kunstkreuz-Organisatorin Gudrun Fietz. Inzwischen ist sie Mitglied im Kulturring. Tatiana setzt Vertrauen gegen Vertrauen und spürt, dass ihr Engagement Früchte trägt. Ihr letztes Projekt endet Anfang 2008. Aber Tatiana arbeitet weiter. Denn die 2007 entstandene Serie „gezeichnet. Pankow“ mit 14 Zeichnungen historischer Bauwerke in Pankow wird fortgesetzt mit ebenso filigranen Abbildungen von architektonischen Sehenswürdigkeiten in Weißensee.
Wer mit Tatiana zusammen arbeitet, muss sie gern haben. Zum einen, weil sie eine fleißige, zuverlässige und manchmal immer noch zu bescheidene Kollegin ist und zum anderen, weil sie eine Künstlerin ist, deren Arbeiten bezaubern. Wer weiß, vielleicht verzaubert sie uns demnächst sogar – ins Elfenland!


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