Kulturnews 10/2008

PP/I.K.:

DIE BAUSTELLE

Foto: Ingo Knechtel

Das Immanuel-Kant-Gymnasium und die Georg-Forster-Oberschule in Berlin-Lichtenberg werden zusammengeführt, denn eine Schule ist billiger als zwei. Stellen werden zusammengelegt, Klassenräume aufgegeben, Lehrer versetzt, das Forster-Gymnasium verliert seinen Namen, und die Schule erhält eine gemeinsame Leitung.
Baulärm wird den Schulalltag bestimmen, zwischen den Unterrichtseinheiten werden die Schüler zwischen den Schulen pendeln müssen. Ist da noch Platz für ein Kunstprojekt? Doch genau hier setzte die Künstlergruppe Pony Pedro des Kulturrings an. Sie griff die äußerlichen Zeichen der Veränderung mit ihrem Projekt „Baustelle“ auf. Und sie nahm die Schüler dabei mit.
Auf dem Schulhof des Immanuel-Kant-Gymnasiums in der Nähe des Nöldnerplatzes entstand dieser Tage eine zweite, inszenierte Baustelle. Mit Baugittern eingezäunt wurde ein 25qm großes Areal in der Mitte des Schulhofes abgetrennt – eine Art Bühne. Auf der Baustelle erarbeiteten zwei 11. Klassen aus beiden Schulen aus dem Abbruchmaterial ihrer Schulen eine Installation. Die am Umbau der Schulen beteiligten Bauunternehmen stellten für das Projekt einen Container mit Abrissschutt zur Verfügung.
Für täglich vier Stunden hatten die Schüler für eine Woche Zugang zur Baustelle und konnten die Installation aufbauen, verändern und abreißen. Die Vorgehensweise war nicht eingeschränkt – ob funktional (ein Haus mit Dach) oder rein dekorativ, die Umsetzung war den Schülern freigestellt. Da sie in den Klassenverbänden unabhängig von einander die Baustelle gestalteten, mussten sich die Gruppen abstimmen, Veränderungen mussten abgesprochen, Konflikte beim Bau diskutiert werden. Grundsätzlich mussten sich die teilnehmenden Schulen auch mit dem „Sinn“ der Baustelle, ihrer Veränderlichkeit und ihrer Vergänglichkeit beschäftigen.
Unterstützt wurden die Schüler bei den Arbeiten von zwei Projektleitern der Künstlergruppe Pony Pedro. Und dann präsentierten sie am 12. September die Ergebnisse ihrer Mühen. Lehrer, Bezirksamt, Öffentlichkeit und nicht zuletzt eine große Schülerzahl waren gekommen zur „Baustellenführung“. Die Schüler zeigten nicht nur das Erschaffene, sondern sprachen auch über den Entstehungsprozess. Und vielleicht zeigten sie manch anderem, wie man beim gemeinsamen Arbeiten auch aufeinander zugehen kann und muss, wie man Probleme gemeinsam bespricht und Vorbehalte überwindet. Denn auch das Zusammenwachsen zweier Schulen erfordert einen kulturvollen Umgang miteinander und die Einsicht, dass auch der Andere möglicherweise Recht hat.


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