Kulturnews 05/2009

Franziska Mönch:

„...dass einem die Seele aufgeht“

Concerto Brandenburg mit dem Philharmonischen Chor Berlin in der Philharmonie, Foto: Bernhard Ludewig

Nicht nur die überwältigenden Kritiken der letzten Konzerte beweisen, dass sich Concerto Brandenburg während seines zehnjährigen Bestehens als eines der großen Ensembles für historische Aufführungspraxis in Berlin etabliert hat. Das zeigte im vergangenen Jahr auch eine beeindruckende Jubiläumsnacht, in der die Musiker zusammen mit Solisten und Dirigenten, die den Weg des Orchesters bis an die Spitze begleitet haben, sich und sein begeistertes Publikum in der Philharmonie beschenkten. Bis heute fühlen sich Koryphäen der nationalen und internationalen Konzertszene wie Christine Schornsheim (Hammerklavier), Doerthe-Maria Sandmann (Sopran), Alexander Bader (Klarinette) und Jörg-Peter Weigle (Dirigent) dem Orchester verbunden – und bereiteten ihm mit der gemeinsamen Konzertnacht das schönste Geburtstagsgeschenk.
Eines der Erfolgsrezepte von Concerto Brandenburg bleibt seine musikalische Vielseitigkeit. Unzählige kammermusikalische Auftritte, wie die regelmäßigen Engagements im Berliner Dom, den Schlössern und Kirchen in Berlin und Umgebung oder das ungewöhnliche „Freistil-Konzert am Beckenrand“ im Stadtbad Steglitz 2008, zählen dazu ebenso wie die bewährte Zusammenarbeit mit verschiedenen Chören, dem Philharmonischen Chor Berlin oder der Berliner Singakademie, deren Matthäus-Passion vor kurzem in einer ausverkauften Gethsemanekirche das Osterfest einläutete. Unvergessen bleiben außerdem die Ausflüge in die Welt der Oper am wunderschönen historischen Goethe-Theater Bad Lauchstädt, dem einzigen original erhaltenen Theater der Goethezeit überhaupt, dessen Inszenierung von Mozarts Meisteroper Don Giovanni seit 2006 bis zur Derniere im vergangenen Jahr mit diversen Gastspielen Zuschauer in ganz Deutschland begeisterte.
2009 indes betritt Concerto Brandenburg mit einem weiteren „Musik-Theater-Projekt“ (im besten Sinne des Wortes) anlässlich des Mendelssohn-Jahres literarisches Neuland. „Felix Mendelssohn-Bartholdy – Der Traum im Park“ entführt am 4. und 5. September mit der unsterblichen Musik des großen Romantikers in die sommernächtliche Welt der Klänge und Mythen. Unter der Regie von Antje Kaiser (u. a. Deutsche Oper Berlin) verwandeln Abiturienten aus Neuköllner Gymnasien mit Szenen aus Shakespeares fantastischem Märchen den Schlosspark und die Bühne rund um das Orchester in einen flirrenden Sommernachtstraum voll bunter Farben, geheimnisvoller Gestalten und faszinierender Momente zwischen Traum und Wirklichkeit. Die erst 14jährige Geigerin Marie Isabel Kropfitsch, die beim Internationalen Paul-Hindemith-Wettbewerb 2008 als Siegerin die Jury und das Publikum begeisterte, spielt dazu Mendelssohns Violinkonzert e-Moll, außerdem erklingt die Italienische Sinfonie und natürlich die berühmte Schauspielmusik zum Sommernachtstraum.
Dem großen Jubilaren ist auch das Debüt des Orchesters beim Schumannfest Zwickau gewidmet. Im Gewandhaus der Stadt stellt Concerto Brandenburg mit einem Programm aus Werken Schumanns und Mendelssohns die einzigartige Künstlerfreundschaft der beiden Komponisten in den Mittelpunkt des Geschehens – auf historischen Instrumenten besonders reizvoll und noch viel zu selten im Konzertsaal zu erleben. Besonders erfreulich, dass damit die langjährige und außerordentlich erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Jörg-Peter Weigle nach einer einmaligen Beethoven-Konzertreihe in der Konzertkirche Neubrandenburg und einem umjubelten Jubiläumskonzert in der Berliner Philharmonie einen weiteren Höhepunkt findet.
Zu seinen musikalischen Wurzeln, dem barocken Musizieren in originalgetreuer Konzertpraxis kehrt Concerto Brandenburg in einem Programm mit Werken von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach zurück, das 2009 gleich dreimal zur Aufführung kommt. Nach einem Gastspiel im spanischen Leon 2008 ist Concerto Brandenburg damit auch erstmals wieder im Ausland zu Gast:: im Rahmen des Festival Mitte Europa, das im Dreiländereck Sachsen-Tschechien-Bayern Grenzen überschreitet, erklingen in der tschechischen Klosterkirche zu Osek unter dem Motto „Pilgerwege“ unter anderem Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und Bachs beispiellose h-Moll-Suite, eines der ganz großen Orchesterwerke aus der Barockzeit. Vorab sind Ausschnitte aus dem Programm auch in Berlin zu hören: Am 31. Mai um 18 Uhr stimmt Concerto Brandenburg in der Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Schöneberg bei freiem Eintritt auf den Kirchenmusiksommer Alt-Schöneberg ein.
Vollenden wird Concerto Brandenburg sein musikalisches Jahr übrigens auch 2009 wieder nach alter Tradition mit einem der alljährlichen Konzerthöhepunkte: die Silvester-Festkonzerte, vom Berliner Publikum wie auch Besuchern der Stadt gleichermaßen lieb gewonnen und stets Garant für einen beschwingten Jahresausklang, besiegeln mit dem sprichwörtlichen Paukenschlag in der stimmungsvollen Atmosphäre der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche das alte Jahr und stimmen Musiker wie Publikum auf ein konzertreiches Jahr 2010 ein. Eigens für dieses Erlebnis reisen einige Konzertbesucher inzwischen sogar schon aus ganz Deutschland zum Silvesterfest nach Berlin – einen schöneren Auftakt zum neuen Jahr kann es für die passionierten Musiker von Concerto Brandenburg nicht geben.


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