Kulturnews 06/2009

Haiko Hübner, Hannelore Sigbjoernsen:

„DO IT“ – Internationale Jugendkonferenz zum Thema Demokratie in Vorbereitung

Foto: Haiko Hübner

Zugegeben, diese Konferenz ist ein ehrgeiziges Projekt. Zugegeben auch, dass noch mancher Stolperstein beiseite zu räumen ist, bis das internationale Jugendtreffen, das Ende September in Gdánsk beginnt und am 4. Oktober in Berlin beendet wird, stattfinden kann. Aber ebenso bestätigen alle bisher daran beteiligten Jugendlichen des 6. Lyzeums in Gdánsk und des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums Berlin, dass sie bei ihren Vorbereitungen bis heute bereits so viel an inhaltlicher und organisatorischer Arbeit gelernt haben, wie es der normale Schulunterricht gar nicht bieten kann. Denn sie vor allem bereiten die Konferenz vor, und sie werden sie auch durchführen.
Mit der Idee, Jugendliche aus der Europäischen Union über die wichtigsten Schritte, die dazu geführt haben, dass sich die Welt vor 20 Jahren so radikal verändern konnte – bis hin zum Mauerfall in Deutschland – zu informieren und ihnen deutlich zu machen, dass Veränderungen zum Positiven im gemeinschaftlichen Leben die eigene Aktivität, das Sich-Einbringen erfordern, gingen der Kulturring und die Gesellschaft für Europabildung aufeinander zu. Es lag auf der Hand, die Partner für dieses Projekt in Polen zu suchen. Gingen doch von dort mit der Solidarnocs-Bewegung die ersten Signale dafür aus, dass der sogenannte Eiserne Vorhang eines Tages zu Fall kommen und das Instrument der Runden Tische zur Ausübung direkter Demokratie nutzbar gemacht werden sollte.
Wird in der gegenwärtigen Reflexion der Ereignisse in Deutschland vor 20 Jahren vor allem der Mauerfall in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt, konzentrieren sich die Jugendlichen in den Vorbereitungen auf das Zusammentreffen mit Gleichaltrigen aus ganz Europa auf Ereignisse und deren Protagonisten, die das Ereignis herbeigeführt haben und für die friedliche Entwicklung in ein neues Europa stehen.
So sind Gespräche mit polnischen und deutschen Aktivisten der Demokratiebewegung geplant, werden die Jugendlichen beider Länder über ihre Forschungsergebnisse zu den Ereignissen im Polen der achtziger Jahre und in der DDR 1989/1990 berichten. Gemeinsam werden die Stätten des demokratische Umbruchs in Gdánsk und Berlin besucht, und am 3. Oktober wird der 20. Jahrestages der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gefeiert.
Die Konferenz soll vor allem ein Forum bieten, um sich vor dem Hintergrund der Geschichte gegenseitig über Formen direkter Demokratie und Bürgerbeteiligung sowie gegenwärtiger Optionen demokratischen Engagements zu informieren. Daraus erklärt sich auch ihr Titel: „Do it“ – Tue etwas, sei aktiv, bringe Dich ein! Denke daran, dass Du in jedem Moment Deines Handelns Deine Geschicke und die Geschichte mitbestimmst. Tue selbst etwas, bevor andere etwas mit Dir tun, was Du nicht willst. Dieser Idee folgt auch ein „Markt der Möglichkeiten“, auf dem Konferenzteilnehmer ihre Gelegenheiten (oder Defizite) der demokratische Teilnahme an politischen Entscheidungen vorstellen.
Höhepunkte des internationalen Zusammentreffens werden in Gdánsk der gemeinsame Besuch der Verleihung des „Lech-Walesa-Awards“ am 29. September 2009 und in Berlin eine Veranstaltung am Originalschauplatz des Zentralen Runden Tisches der DDR und eines Teils der so genannten „2+4-Verhandlungen“ in Berlin-Pankow sein.
Die etwa zehn Jugendlichen aus beiden Ländern, ihre Lehrerinnen, der Geschäftsführer der Gesellschaft für Eurobildung und Vertreter des Kulturrings haben während ihrer Zusammentreffen in Gdansk wie in Berlin äußerst intensiv und angestrengt gearbeitet, um sich über die inhaltlichen und technisch-organisatorischen Fragen zu verständigen. Dabei hatten vor allem in Berlin die Gymnasiasten beider Schulen das Sagen. Und das immer in englischer Sprache, die auch die Konferenzsprache sein wird.
Dabei waren auch Vertreter des Europejskie Centrum Solidarności, von denen – wie von der Europäischen Union – das Vorhaben gefördert wird.
Gestaltete sich anfangs der persönliche Kontakt zwischen den 16 bis 18jährigen Jugendlichen kompliziert, so gelang das in Berlin – nachdem man sich gemeinsam eine Auszeit von den Erwachsenen erbeten hatte – weitaus besser, und es gab viel Beifall von allen für das aus Polen mitgebrachte Projekt-Logo. Beim dritten Zusammentreffen der Vorbereitungsgruppen vor der Sommerpause soll schon „Kassensturz“ gemacht werden, um dann gemeinsam die letzten Hürden vor der Konferenz zu nehmen.


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