Kulturnews 01/2012

Jörg Bock:

Stadttour Lichtenberg

Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge, Foto: Rotraut Simons

Im Studio Bildende Kunst gab es im letzten Jahr eine Reihe von Veranstaltungen, die sich speziell mit der Geschichte des Hauses und seines Umfeldes beschäftigten. Die Besucherzahlen und die zahlreichen Gespräche mit Gästen haben eines gezeigt: Es gibt bei allen Beteiligten ein großes Interesse an der Geschichte und Entwicklung des Stadtteils, in dem man Zuhause ist.
Auf diese Erfahrungen zurückgreifend, konnte das Bürgerarbeitsteam „Tour-Guide Lichtenberg“, das im September 2011 seine Arbeit im Kulturring aufnahm, sein Projekt mit Leben erfüllen. Unter dem Namen „Stadttour Lichtenberg“ wurde ein Konzept mit dem Ziel erarbeitet, durch geführte Spaziergänge zu einem bestimmten Thema aus dem Bereich regionaler Geschichte und Kunst Einwohnern und Freunden von Lichtenberg den Bezirk näher zu bringen bzw. von einer neuen, unbekannten Seite zu zeigen. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, dass sich hier eine Gruppe von Mitarbeitern zusammengefunden hat, die mit viel Liebe an der Aufdeckung der Geschichte und Geschichten über Lichtenberg arbeiten. Gleichzeitig sind die Interessen der Gruppenmitglieder so unterschiedlich, dass ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm für 2012 entstanden ist.
Als erstes ist für den 29. Januar 2012 ein Spaziergang unter dem Motto: „Entlang der alten Wagnerstraße“ geplant. Ausgehend vom Roedeliusplatz (der bis 1935 Wagnerplatz hieß) wird auf ausgewählte Bauwerke und Institutionen eingegangen, die bedeutsam für die Geschichte Lichtenbergs waren bzw. noch sind. Die Glaubenskirche, das Oskar-Ziethen-Krankenhaus, das Hubertusbad und die ehemalige Julius Gast KG an der Siegfriedstraße sind einige der geplanten Stationen. Am 25. Februar ist es das im Jahr 1898 fertiggestellte Rathaus Lichtenberg, das im Mittelpunkt einer Führung steht. Geschichten rund um dieses Gebäude, aber auch über historische Persönlichkeiten, die dort gewirkt haben, sollen erzählt werden. Mit dem Beginn des Frühjahrs geht es in eine der Parkanlagen von Lichtenberg. Am 24. März sollen im Stadtpark Lichtenberg auf einem Spaziergang bekannte und unbekannte Kunstwerke entdeckt werden. In den Monaten April und Mai dreht sich alles mehr oder weniger um das Gebäude und das angrenzende Gelände des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). In Kooperation mit dem Förderverein des Museums Kesselhaus geht es am 21. April zunächst in den neu geschaffenen Park des KEH und anschließend durch das Museum. Der Monat Mai wird sicherlich einer der Höhepunkte, wenn es am 12. d.M. heißt „Auf den Spuren des Architekten Blankenstein“. Der über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Architekt Hermann Blankenstein schuf in Lichtenberg nicht nur den Gebäudekomplex des KEH, sondern auch die ehemalige Kinderklinik „Lindenhof“ und die Festhalle auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. ... Am 23. Juni wird es auf eine Spurensuche gehen, dann heißt es: „Wo einst die Roederbahn fuhr“. Bei einem Spaziergang entlang der ehemaligen Industriebahn soll ihre Bedeutung für die industrielle Entwicklung von Lichtenberg hervorgehoben werden. Es soll aber auch gezeigt werden, welche Anlagen heute noch stehen und wofür sie genutzt werden. Bevor der Sommer zu Ende geht, begeben wir uns noch einmal in eine Parkanlage. Diesmal heißt es am 25. August „Fennpfuhlpark – grüne Oase im Wandel“. Es gibt wohl kaum eine Parkanlage in Lichtenberg, die so oft umgebaut wurde. Ein interessanter Vergleich soll angestellt werden zwischen Alt und Neu, was war hier früher und was ist geblieben. Am 22. September wird eine Entdeckungstour gestartet. „Der alte Magerviehhof“ – diese alte Friedrichsfelder „Institution“ (seit 1979 gehört sie zu Marzahn), soll wiederentdeckt werden. Zumal viele ihrer noch erhaltenen Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Der Oktober steht dann ganz im Zeichen einer bekannten Berliner Persönlichkeit wenn es am 27. Oktober darum geht „Auf den Spuren von Zille in Lichtenberg“ zu wandeln. Heinrich Zille wohnte hier lange Jahre, und in der damals noch ländlichen Atmosphäre fand er gerade zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit viele seiner Motive. Ein etwas anderer Blick soll auf diesen Künstler geworfen werden. Den Jahresabschluss bildet dann am 24. November ein spezielles Thema: „Lichtenbergs verschwundene Friedhöfe“. Vor allem auf dem alten Friedhof an der Gotlindestraße fanden Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte, die ihre Spuren in Lichtenberg hinterlassen haben. Einer von ihnen war der langjährige Amtsvorsteher und Oberbürgermeister von Lichtenberg Oskar Ziethen.
Das Team der Stadttouren-Erfinder erhofft sich von dem thematisch abwechslungsreich gestalteten Spazier-Programm eine große Resonanz von „Mitläufern“, die Lichtenberg zu Fuß noch besser kennen lernen möchten. Für Anregungen und Vorschläge zu weiteren Zielen ist das Team immer offen. Es wünscht sich jedenfalls, möglichst viele Gäste im neuen Jahr begrüßen zu können. Die Touren finden einmal pro Monat samstags bzw. sonntags um 11 Uhr statt, Anmeldungen bitte im Studio Bildende Kunst unter 030-5532276.


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