Kulturnews 02/2012

Klaus und Marianne Weidt, Ingo Knechtel:

„Marathon“ in Äthiopien

Foto: privat

Ein Marathonlauf geht über eine Distanz von 42,195 Kilometern und dauert nur wenige Stunden. Dennoch ist es einer der längsten Läufe. Und vor demjenigen, der ihn bewältigt hat, verbeugen sich die meisten von uns. Sie sind begeistert und zollen Respekt.
Kommt ein Mitteleuropäer nach Äthiopien, und es verschlägt ihn – abseits der Touristenpfade – in ein großes Dorf, trifft er mit ziemlicher Sicherheit schnell auf eine beträchtliche Kinderschar. Vielleicht wundert er sich auch, dass sie trotz staatlicher Schulpflicht nicht eine Schulbank drücken, sondern die Fremden dicht umlagern. Aber so selbstverständlich wie hierzulande ist im fernen Äthiopien ein geordneter Schulbesuch noch längst nicht. Die Aufgabe, vor der die Behörden in dem Land stehen, gleicht wahrlich einem Marathonlauf. Nur dass ein Ende nicht in wenigen Stunden erreicht ist, sondern dass sich die Zeit dafür in Jahren bemisst.
Vor einigen Jahren – genau im Jahr 2005 – stand eine Gruppe deutscher Marathon-Enthusiasten gemeinsam mit Starläufer Haile Gebrselassie im äthiopischen Dorf Shafamu und hatte angesichts der sie umringenden Kinderschar die Idee und das dringende Verlangen zu helfen. Seitdem gibt es einen weiteren Marathon, einen Hilfsmarathon für die Kinder von Shafamu.
Eine Schule ist inzwischen entstanden, finanziert aus Spendengeldern. Das Projekt, unterstützt von der Reiseagentur Reisezeit, dem Läuferjournal Laufzeit und dem Kulturring in Berlin e.V., erhielt den sinnträchtigen Namen „Marathon“. Seit Jahren werden kontinuierlich Spenden gesammelt, es werden von deutschen Schülern Lernmittel nach Shafamu gesandt, es werden Bilder gezeichnet, es ist inzwischen eine Verbindung aus Stendal und Frankenthal nach Äthiopien aufgebaut worden. Und diese Verbindung ist nicht anonym.
Im Jahr 2011 weilte eine Reisegruppe mit Teilnehmern aus Stendal und Frankenthal in Äthiopien und besuchte die Schule „Marathon“. Die meisten Spenden waren in diesen beiden Städten und den angrenzenden Regionen gesammelt worden. Die Besucher erlebten Ende April mit, wie zwei gerade fertiggestellte Flachgebäude eröffnet wurden. Beide Gebäude verfügen über jeweils zwei Klassen der Unterstufe und wurden mit Schulmöbeln ausgestattet, hergestellt von örtlichen Gewerken. Weiterhin wurde begonnen, eine Bibliothek zu erstellen, die Voraussetzung im äthiopischen Bildungssystem für die Erweiterung für die nächsthöhere Klassenstufe 5-6. Vorgesehen ist somit für 2012 ein weiteres Gebäude mit zwei Klassen für diese Klassenstufe.
Das Projekt ist inzwischen so bekannt geworden, dass immer mehr Kinder in diese Schule gehen wollen. Und die Dankbarkeit ist in den Gesichtern der Kinder abzulesen. Bei dem Besuch im April konnten zudem 35 bedürftige Schüler des Dorfes durch konkrete Patenschaften aus Frankenthal unterstützt werden. Durch die Stendaler Spender wurden 11 Lehrer für ihre Arbeit und ihr Engagement ausgezeichnet.
Der Marathon geht weiter. Mit den älter werdenden Kindern werden neue Schulgebäude benötigt. Deshalb ist weiterhin Hilfe nötig. Ob die Zielgerade im Marathon erreicht ist, wer weiß das schon? Ganz sicher ist jedoch, dass wir dem Ziel ein gutes Stück näher gekommen sind. Und dass wir uns mit Respekt und Begeisterung vor allen Beteiligten verbeugen.
Bitte unterstützen Sie auch weiterhin die Kinder von Shafamu mit einer Spende. Unser Spendenkonto lautet: 525621901, Berliner Bank, BLZ 10070848, Zweck: Spende Shafamu. Gern stellt der Kulturring Spendenbescheinigungen für die steuerliche Absetzbarkeit aus.


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