Kulturnews 02/2012

Astrid Lehmann, Peter Kipp:

Kulturring-Band: Die himmlischen Vier

Foto: Astrid Lehmann

Alles fing mit einer Weihnachtsfeier an, die der Bereich Mitte / Nord alljährlich für seine Ehrenamtlichen organisiert. Im Herbst suchten wir unsere damaligen Projekte nach Kreativen ab, die sich an einer selbst gestalteten Feier beteiligen wollten. Musik ist immer gut, dachte Gudrun Fietz und sprach Peter Kipp, einen Bassisten an. Auch in Reinickendorf gab es einen Musiker, der an der Gitarre und mit Gesang erfreute – er nannte sich Sometimer und er brachte einen Freund – Eddie den Keyboarder und ebenfalls Sänger – mit. Das Zusammenspiel funktionierte, es wurde eine schöne Weihnachtsfeier und alle waren der Meinung, dass es diese Band weiter geben muss. Damals hieß sie Sometimer and Friends.
Auch für den Rhythmus wurde noch eine Lösung gefunden. Eddie brachte Morris, einen Schlagzeuger aus Mocambique mit. Die neue Zusammensetzung erforderte auch einen neuen Namen: Black Gravity. Die Musiker spielten zu Ausstellungseröffnungen, beim Kunstkreuz und besonders gerne bei Kinderkunsttagen und anderen Veranstaltungen für Kinder oder Senioren. Nachdem Sometimer nach einiger Zeit die Band verließ und dabei auch den Namen mitnahm, nannte sich die Band „One Drop“, eine Bezeichnung für typischen Reggae-Beat.
2009 kam Chloe dazu, eine Saxophonistin. Seit dieser Zeit probt die Band regelmäßig in der Fotogalerie und beteiligt sich an verschiedensten Veranstaltungen des Kulturrings. So vielfältig wie die musikalischen Richtungen sind auch Herkunft und Biografien der Musiker(in). Chloe Lurdel wurde 1984 in Lille, der Hauptstadt Nordfrankreichs, geboren. Sie wurde mit fünf Jahren zur Musikschule geschickt, weil sie angeblich gut pfeifen konnte. Ihre erste Begegnung mit einem Instrument fand dann mit einem Saxofon statt, nicht weil sie es so wollte, sondern weil der gewünschte Kontrabass zu groß war, und weil es keinen Dudelsacklehrer in der Musikschule gab. Im Jahr 2004 kam Chloe nach Berlin, spielte bis 2006 in einer Saxofon-Band, bummelte drei Jahre durch die Welt, studierte und landete 2009 wieder in Berlin, wo sie heute als Übersetzerin arbeitet.
Peter Kipp ist waschechter Bluesmusiker, seine Vorliebe: „In Stein gehauene Basslinien mit Herz und Hintern“. Peter spielt seit seinem zwölften Lebensjahr. „Damals haben Instrumente noch richtig Geld gekostet, und es gab fast nur Schrott.“ Er musste sich fragen lassen, warum seine Gitarre nur vier Saiten hat und man sie nie richtig hört. Also hat er im Laufe der Jahre noch weitere Instrumente hinzugelernt, damit man ihn mal hört, aber seine große Liebe blieb der Bass.
Eddie Sey, geboren in Ghana, wurde beim Militär zum Musiker ausgebildet. Vorher in Frankreich ansässig, lebt er seit ca. 30 Jahren in Berlin. Er spielte mit verschiedenen Bands, u.a. schon im Vorprogramm von Sting in Rom und bei einer Übertragung der ARD auf der IFA und – er spielt alle gängigen Instrumente.
Morris Mungoy ist das, was man in der Musikszene einen Netzwerk-Musiker nennt. Wenn in einer AfroBeat- oder Reggaeband ein Schlagzeuger bzw. Percussionist für einen Auftritt oder ein Projekt gesucht wird, klingelt bei Morris das Telefon. Auch in seinem Tonstudio versammeln sich gerne Musiker aus aller Herren Länder zum gemeinsamen Musizieren und Produzieren. Denn Morris „trommelt“ nicht nur, er komponiert, arrangiert und produziert. Nach Berlin zog es ihn Anfang der Neunziger. Damals spielte er in der Makwerhu-Band – einer beliebten Reggae-Gruppe, die in ganz Deutschland und darüber hinaus unterwegs war.
Es ist ein Glücksfall, dass sich die Band in dieser Besetzung zusammen gefunden hat. „Es gibt viele gute Musiker“, sagt Peter, der Bassist und einzige Deutsche in der Band. „Das Problem ist, den Richtigen – oder noch schwieriger – die Richtigen zu finden. Und da hatten wir einfach Glück, viermal sozusagen“. Ende gut, alles gut. Die Band suchte seit einiger Zeit nach einem neuen Namen, der sie noch besser charakterisiert – auch der wurde gefunden. Der Kulturring hat eine Band, sie nennt sich 44Heaven – Vier für den Himmel. Wenn das kein gutes Omen ist….


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