Kulturnews 05/2012

Gabriele Rauschenbach:

Surprise in Karlshorst

Foto: Michael Laschke

Ganz am Rande von Karlshorst – an der Grenze zu Friedrichsfelde – war den Geschichtsfreunden Karlshorst im Kulturring im März 2012 eine Überraschung versprochen worden: Der Eigentümer des Hauses Wallensteinstraße 60/61 hatte zu einer Besichtigung eingeladen. Die Spannung war groß, denn was sollte uns in dieser noch sehr einsam wirkenden Ecke des Wagnerviertels wirklich erwarten? Zumal in einem Gebäude, das ehemals der Transportpolizei der DDR gehörte? Der Eigentümer hatte es zu einem Wohnhaus umgebaut und dabei viel Fingerspitzengefühl entwickelt. So war unser Staunen groß, als wir dort das Keramikrelief „Räder in Bewegung“ des Künstlers Rudolf Sitte präsentiert bekamen.

Foto: Gabriele Rauschenbach

Erhalten gebliebene, baugebundene Kunst aus der DDR findet man heute nicht so oft. Was nicht allein in künstlerischen, ästhetischen Gründen seine Ursache hat. So ist es lobenswert, dass der Besitzer des Hauses dieses Kunstwerk erhielt, zumal dieser Rudolf Sitte so manche Hürde mit dem SED-Staat zu bestehen hatte. Im Jahre 1949 flog er zum Beispiel im Zuge des Formalismusstreits von der Hochschule für Bildende Künste Dresden, weil seine Kunstobjekte sich der Form verschrieben hatten und so nach Auffassung der SED-Führung dem Sozialistischem Realismus entgegen standen. Nach der „Verbannung“ in die Wismut konnte er – durch diese delegiert – sein Studium fortsetzen und 1955 abschließen. Später hatte er als Professor für baugebundene Kunst an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden einen Lehrauftrag. Bis zur Wende arbeitete Sitte in einem kleinen Atelier des ehemaligen VEB Sanitär-Porzellan an Porzellanplastiken. Danach setzte er sich aktiv für die Erhaltung des keramischen Werkes in Königsbrück ein (leider ohne Erfolg) und kämpfte für soziale Projekte. Er blieb seinen Überzeugungen bis zum seinem Tode im Jahr 2009 treu. Wer mehr über ihn, seinen Lebensweg und seine Überzeugungen wissen möchte, sollte sich sein biografisches Buch „Ein Leben für die Katz – Splitter der Erinnerung und des Nachdenkens“ besorgen, das im Eigenverlag erschienen ist.

Text unter Verwendung von wikipedia


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