Kulturnews 11/2012

Ingo Knechtel:

Freundlich lächelnd

kam mir heute morgen eine Radfahrerin entgegen – positiv gestimmt beginnt sie ihren Tag. Das Gegenteil passierte vor einiger Zeit nach einer Wochenend-Autofahrt. Ein Stauende am Adlergestell vor Augen, nahm ich den Fuß vom Gaspedal, um langsam auszurollen – sehr zum Ärger meiner Umgebung, die mir dies mit Worten, Zeichen und Hupen deutlich machte. Wie wir uns in der Öffentlichkeit zeigen, zeugt von unserem Gemütszustand. Viele meinen, die Aggressivität unter den Menschen nimmt zu. Über die radikalsten Auswüchse, die Schläger, hören wir fast täglich in den Nachrichten. „Willkommen in der Rüpel-Republik“, titelte kürzlich die Berliner Zeitung unter Anspielung auf ein neues Buch von Jörg Schindler. Sind wir wirklich ein einzig Heer von Egoisten, von „hässlichen Ichlingen“? Und tatsächlich ist es ernüchternd, bekommt man den Spiegel vorgehalten. Derbe Ausdrücke sind nicht nur auf dem Sportplatz zu Hause, sondern bei manch Einem auch am heimischen Abendbrotstisch. Keiner will irgendwo als „Loser“, als Verlierer dastehen. Ganz nebenbei geht jegliches Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität mit anderen, jegliche Empathie verloren. Wie aber finden wir heraus aus dem Dilemma? Härteres Durchgreifen gegen Gesetzesverletzer ist sicher nötig, aber genauso nötig sind Mitmenschlichkeit und Zuwendung für die Probleme des anderen. Rezepte verteilen kann sicher niemand. Eine Therapie für diese Gesellschaft tut Not. Beitragen dazu müssen wir alle. Und es beginnt im Kleinen. Lassen Sie uns klar die Probleme benennen, lassen Sie uns über unsere Fehler reden und lassen sie uns gemeinsam Ziele ins Auge fassen, für die es sich, auch mit anderem im Verein, zu arbeiten lohnt. Ein langer, mühsamer Weg, aber mit einem Lächeln ...


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