Kulturnews 05/2007

Dagmar Steinborn:

„Kultur an der Peripherie“

Sylvia Reim – das Porträt
Foto: André Osbahr

Sylvia Reim – das Porträt

„Wenn man etwas für Andere tut, dann tut man etwas für sich selbst und damit für die Welt!“, dieses Zitat von Sylvia Reim bringt ihr Lebensmotto auf den Punkt. Mit ihrer Vielseitigkeit, ihrer Lebenserfahrung und ihrem Interesse an allem, was Kultur ausmacht, bringt sie sich ein, mit ihrer ganzen Person. Eine zarte Frau – äußerlich – doch stark in ihrer Persönlichkeit.

Schon früh, im Kindergartenalter, erlebt sie die verschiedenen Kulturen. Geboren 1956, verbringt sie die ersten Lebensjahre mit der Familie in Delitzsch bei Leipzig. Als die Eltern einen Auslandsaufenthalt in der ehemaligen UdSSR annehmen, geht sie dort in den Kindergarten und wächst von nun an zweisprachig auf. Ganz ungezwungen bewegt sich das kleine Mädchen in den verschiedenen Kulturen. Die menschliche Vielfalt unterscheidet und verbindet zugleich; Kreativität, Selbstbestimmung und Innovation rühren daraus. Diese Erfahrungen prägten sie nachhaltig.

Später dann studiert sie an der Humboldt-Universität in Berlin Sprachen, in Bratislava und Smolensk vertieft sie ihre Sprachkenntnisse in Russisch und Slowakisch. In ihrem Beruf als Simultandolmetscherin wird sie stark gefordert. Sie ist viel im In- und Ausland unterwegs. Durch die Fortbildung zur Tagungsfachfrau und Kulturmanagerin lernte sie 1994 den Kulturring in Berlin e. V. kennen. Damit ergab sich für Sylvia Reim die Möglichkeit, Kultur selbst zu gestalten und umzusetzen. „Kultur an der Peripherie“ – genau das wollte sie!

Sie hat ehrenamtlich in Vereinen gearbeitet, später Gesundheits- und Sozialprojekte betreut, dabei erfahren, wie sehr Kultur die Lebensqualität alter und behinderte Menschen steigern kann.

Ihr starker Hang zur Philosophie, besonders zum Buddhismus mit seinem humanistisch loyalen Hintergrund, ist für Sylvia Reim eine Quelle der Kraft. Doch auch die Literatur – schon früh entdeckte sie ihre Liebe dazu. So war es nur zu verständlich, dass sie die ihr gebotene Gelegenheit ergriff, genau das zu tun, was ihr so wichtig war. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich Sylvia Reim mit ihren Aktivitäten für die vielfältige Alltagskultur, die Kleinkunst, die ihr besonders am Herzen liegt. Im Kulturforum Hellersdorf, etwas abseits von Berlins City und doch verkehrsgünstig an der U-Bahn gelegen, hat sie dieses Podium für Kulturen gefunden.

„Der Autorenstammtisch“, sagt sie, „ist etwas ganz Besonderes, da ist Herzblut drin“. Und das merkt man auch. „Der Autorenstammtisch gibt mir Freude und Kraft. Die offene Kritik der Literaturfreunde fördert meine Kreativität.“ Einmal im Monat, an einem Montagabend, trifft sich der Freie Autorenstammtisch „Fensterblick“ im Kulturring in Berlin e. V., wie der vollständige Namen lautet, unter Leitung von Sylvia Reim im Kulturforum. Die Autoren diskutieren ausgewählte Themen, philosophieren, hören zu, verstehen, lernen voneinander, verwerfen, schreiben neu – kreativer kann es kaum zugehen. Sie haben noch Illusionen. Das Wichtigste ist das Verstandenwerden. Das bereichert alle, egal wieviel Lebensjahre jeder mitbringt. „Der Autor passt zu uns, dessen Ziel es ist, die Philosophie des Lebens mit seinen Worten zu beschreiben“, sagt sie.

Der Literaturstammtisch, der ebenfalls im Kulturforum Hellersdorf stattfindet, hat einen ganz anderen Anspruch. Hierzu lädt Sylvia Reim einmal monatlich Autoren ein, die ihr Buch oder auch ihr Manuskript vorstellen. Das können bekannte aber auch unbekannte Autoren sein. Nach der Lesung wird über das Gehörte diskutiert, oftmals bis spät in den Abend hinein. In Vorbereitung auf diese Veranstaltung gibt es viel zu tun: Telefonate führen, Einladungen schreiben, Plakate bestellen, organisieren – um alles kümmert sich die Moderatorin Sylvia Reim selbst. Es ist ihr Verdienst, dass sich der Literaturstammtisch zu einer beliebten und gut besuchten Veranstaltungsreihe entwickelt hat, die ihr hohes Niveau beibehalten hat.

Sylvia Reim ist eine äußerst vielseitige Frau, die in ihrer eigenen Harmonie lebt. Sie umgibt sich gerne mit schönen Dingen, entwirft ihre außergewöhnliche Garderobe selbst, verziert und veredelt Gebrauchsgegenstände, liebt dabei die meditativen Arbeiten, malt und bearbeitet Speckstein und Holz. Eine besondere Vorliebe entwickelte sie für orientalischen Schmuck, Lackmalerei auf Lindenholz, Messingarbeiten und Perlenstickerei; der kulturelle Einfluss der frühen Jahre ist dabei erkennbar. Er hat ihren Geschmack und persönlichen Stil geprägt. Holz und Messing berühren – so verschieden die Materialien sind, so unterschiedlich sind die Gefühle, die diese auslösen. Und Gefühle lösen wieder Gefühle aus. Sylvia Reim geht sorgsam mit sich selbst um, schafft es, eine Balance zwischen Müssen und Wollen zu finden. Achtsamkeit ist ihr wichtig. Auch im Umgang mit anderen Menschen. Von denen wird sie als aufmerksame Zuhörerin, mütterliche Freundin, kluge Ratgeberin und warmherzige Frau geschätzt, mit der man über alles reden kann.

Obwohl niemals in Vereinen organisiert, ist sie 2006 als Mitglied dem Kulturring in Berlin beigetreten. Immer offen für neue Konzepte, ist Sylvia Reim mit ihrem Engagement und ihren interessanten, besonders auch von Literaturfreunden aus anderen Bezirken Berlins geschätzten Veranstaltungsreihen beim Kulturring zu einem festen Bestandteil der Kulturarbeit geworden. Wir danken Sylvia Reim für ihre bisher geleistete Arbeit, freuen uns aber auch auf ihre neuen Ideen.


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