Kulturnews 10/2015

Georg Brozek:

Solidarität verbindet

Rettung von naiver Malkunst aus Nicaragua rückt näher
Foto: Gabriele Senft

Der 26. August 2015 war für alle erschienenen Gäste und Aktivisten auf dem Monimbó-Platz in Berlin-Lichtenberg ein großer Tag der Wiederbegegnung mit Kunst. Das Original „Nicara-guanisches Dorf Monimbó 1978“ des Malers Manuel García Moia war für eine kurze Zeit von seiner Gerüstverhüllung freigelegt. Zu diesem historischen Ereignis erschien kurzfristig ent-schlossen auch die Botschafterin Nicaraguas, Karla Luzette Beteta Brenes. Es waren dies un-glaublich spannende Momente der Wiederbegegnung mit dem Werk Manuel Garcías, ja eine kleine Wiedergeburt, als das Gemälde Stück um Stück hinter den fallenden Dämmplatten das Licht der Welt erblickte. Wunderschöne naive Darstellungen von Pflanzen, Menschen und Tieren, des bäuerlichen Lebens auf dem Lande aber auch deutliche Handlungen vom Kämpfen und dem Fliehen der Menschen, von denen der Künstler uns zu berichten weiß. Bei keinem Anwesenden an diesem sonnigen August-Vormittag auf dem Monimbó-Platz blieb der Puls ruhig!
Dieses vielen Bürgerinnen und Bürgern bekannte Wandbild ist das größte naive Wandgemälde in Europa. Es ist ein einzigartiges historisches Zeitzeugnis, „entstanden in der schöpferischsten Periode der Wandmalerei in Nicaragua, der Periode nach dem Sieg der Sandinistische Revolution 1979 bis 1990“ (Prof. Dr. David Kunzle, Kunsthistoriker an der University of California, Los Angeles). Es ist ein Meisterwerk naiver Kunst mit wichtiger Aussage. So war es nicht verwunderlich, dass in einer Korrespondenz der langjährige amerikanische Freund und Berater vor Kurzem unsere Faszination von der Freilegung des Originals und der Möglichkeit, das international bedeutsame Mural zu retten, teilte. Prof. Kunzle: „Solche außergewöhnlichen Werke sollen zum Nachdenken anregen über Kriege und soziales Elend und darüber, wie diese verhindert bzw. überwunden werden können. Die Menschen, nicht nur in Deutschland und Europa brauchen mehr soziale Verbundenheit und solidarisches Verhalten.“

Foto: Gabriele Senft

Prof. Kunzle gab zu bedenken, dass „Europa sich wieder auf seine humanistische Kultur-Substanz besinnen (muss), um zu einem friedfertigen Zusammenleben aller Menschen beizu-tragen“. Sehr ähnliche Gedanken und Worte brachten unter anderem die nicaraguanische Botschafterin und der Vorstandsvorsitzende des Kulturrings in Berlin e. V., Dr. Gerhard Schewe, an diesem Tag in Berlin-Lichtenberg zum Ausdruck.
Manuel García wird im nächsten Jahr, am 13. Juni 2016, achtzig Jahre alt. Von seinem jetzigen Wohn- und Schaffensort Frederick (USA) nimmt er regen Anteil am Rettungsprojekt. Ja, in Nicaragua sind seine Werke an prädestinierten Orten in der Nationalgalerie von Managua, in renommierten Restaurants mit internationalem Publikum, im Nationalmuseum Ruben Darío in León ausgestellt. Seine künstlerische Handschrift, seine wunderbaren naiven Bilder sind unverwechselbar.
Wann dieses historisch wertvolle Wandbild für uns alle wieder erlebbar wird, hängt jetzt vom Ergebnis der laufenden Spendensammlungen sowie der in Aussicht gestellten Förderung mit öffentlichen Geldern ab. Es gibt bereits unterstützende Signale von der Lichtenberger Bür-germeisterin Birgit Monteiro. Gegenüber Medien, aber auch in persönlichen Schreiben an die nicaraguanischen Partner in Monimbó und Managua, wie Bürgermeister Orlando Noguera Vega, den Generaldirektor der Nationalgalerie in Managua, Luis Morales Alonso sowie an die Präsidentin der Athletikföderation Nicaraguas, Xioamara Larios Toruño, bekräftigte die Bürgermeisterin, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um das bedeutende Kunstwerk für den Bezirk und die Stadt Berlin zu erhalten. Wir sind nun großer Hoffnung.
Spenden-Kontoverbindung: Kulturring in Berlin e.V.
Berliner Bank NL DB
IBAN: DE41 1007 0848 0525 6219 01
BIC: DEUT DE DB110
Verwendung: Spende Nicaragua-Wandbild


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